W9 - Engpasstheorie & Scrum (Buchrezension)


Hallo Liebe Blogfreunde,

 

ich freue mich euch heute wieder ein neues Bild präsentieren zu dürfen. Ja mal wieder eine neue Technik. Bin da auch noch in den Anfängen und habe heute sogar mal mit Lineal gezeichnet. Etwas ungewohnt. 

Zudem muss ich mich entschuldigen, dass ich letzte Woche kein Bild gepostet habe. Die Ausrede dafür ist aber gut. Ich hatte am Montag und Freitag jeweils eine Klausur, die ich im Rahmen meines Master Studiums schreiben musste. Ja nach 2 Jahren komplett ohne zwanghaftes Lernen für eine Klausur war es echt ein komisches Gefühl am Anfang. Aber ich habe beide hoffentlich gut überstanden. 

 

Heute möchte ich euch mein (Geschenk)Buchtipp für alle Ingenieure vorstellen, dass mir gleich zwei Professoren während der Vorlesung ganzheitliches Produktionsmanagement empfohlen haben. Am Ende übertrage ich die Prinzipen dann auf Scrum bzw. die Softwareentwicklung / Projektmanagement. 

 

Das Ziel: Ein Roman überProzessoptimierung - E Goldratt

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Das Buch handelt von einem Fabrikleiter namens Alex Rogo. Er leitet die Fertigung von mechanischen Bauteilen für einen Amerikanischen Großkonzern. Seit geraumer Zeit macht sein Werk enorme Verluste. Er hat von seinem Chef eine Deadline bekommen. Innerhalb von 3 Monaten muss sein Werk wieder Gewinne erwirtschaften, sonst wird es geschlossen. Das Komische ist, dass alle Kennzahlen, die er klassisch ermittelt positiv sind. Zudem bahnt sich zu Hause eine Ehekriese an.

 

Per Zufall trifft er seinen alten Physiklehrer an einem Flughafen. Ohne viel Infos wusste der ehemalige Physiklehrer namens Jonah sofort, was er für Probleme in seiner Fabrik hat. 

Nachdem die Deadline immer näher rückte, kontaktierte Alex aus Hoffnungslosigkeit seinen ehemaligen Physiklehrer in letzter Not. 

Jonah ist immer sehr kurz angebunden und gibt Alex immer eine Aufgabe mit. Die erste Aufgabe ist zu definieren, was Produktivität und was das Ziel seiner Fabrik ist. Diese Frage bringt Alex ins Nachdenken und er hinterfragte sein eigenes Wertesystem. Die Antwort fand er nach einigem Nachdenken selbst heraus. Das primäre Ziel ist es Geld zu erwirtschaften. 

 

Hintergrund Infos /Anmerkungen: Man merkt deutlich, dass der Autor den typischen Ami Manager im Blick hat. Es wurde in den 80gern geschrieben vor den großen Wirtschaftskrisen. Für mich ist fraglich, ob der aller einzigste Grund bzw. das einzigste Ziel eines Unternehmens Geld zu verdienen ist. Zudem ist der Hauptcharakter fast nur mit seinem Job beschäftigt. Auch das sehe ich etwas anders. Frage an Dich? Was ist eigentlich dein Ziel? Jetzt aber zurück zur Geschichte: 

 

Nach seiner Aussage gibt Jonah ihm ungewöhnliche Kennzahlen zum Messen seines Erfolges in der Fabrik. An erster Stelle steht der Durchsatz. Dieser setzt sich aus den Verkaufserlösen minus allen tatsächlich Variablen Kosten zusammen. Diese sind für ihn nur die Kosten, die wirklich für das Produkt anfallen wie z.b. Rohmaterial. Im Vergleich zur klassischen BWL sind Mitarbeiter nach der Definition nicht variabel. Alles weiter könnt ihr dann im Buch lesen. 

 

Immer wieder gerät Alex an seine Grenzen und er bittet Jonah zur Hilfe. Er erzählt ihm etwas von Abhängigkeiten im System und Engpässen. 

Dann geht Alex mit seinem Sohn auf ein Ranger-Wochenende. Als alleiniger Begleiter muss er eine ganze Mannschaft durch den Wald führen. Immer wieder fällt ihm auf, dass die Gruppe pausieren muss oder einzelne sehr weit vorne Weglaufen. Jeder der schon mal mit mehreren durch den Wald gelaufen ist kennt dieses Phänomen ;)

Während der Wanderung hat Alex dann plötzlich eine Erkenntnis über die Zusammenhänge eines Systems. Wie ich finde eine sehr nette Anekdote, die den "Drum-Buffer-Rope" Effekt erklären möchte. Jeder, der irgendwas mit Nebenfach Logistik studiert hat, sollte von dem Effekt schon einmal gehört haben. (Wiki Link http://bit.ly/2i0uy1Q

So geht es die ganze Zeit durch das Buch. Wie es am Ende aus geht, müsst ihr selber lesen. 

 

Die vermittelte Methode des Buchs: 

1. Jedes System besteht aus vielen kleinen Einzelsystemen, die alle miteinander zusammen hängen und sich Wechselseitig beeinflussen.

2. In Sich kann jedes Subsystem optimal funktionieren. Somit zb eine Kennzahl optimal sein. 

3. Jedoch hat jedes System mindestens einen Engpass. 

4. Das gesamte System wächst nur so weit, bis es die Grenze des Engpasses erreicht. 

5. Der Durchsatz des Systems ist nur so groß, wie maximal durch den Engpass geht. 

 

Den Engpass bearbeiten:

 

Im Laufe des Buches stellen dann Alex und sein Team ihre Richtlinien auf. Diese besagen, dass zu erst der Engpass gefunden werden muss. Danach muss sichergestellt sein, dass der Engpass maximal ausgelastet ist und alles dem Engpass untergeordnet ist. Als nächstes muss der Engpass beseitigt werden und das ganze beginnt von vorne. 

 

Ich habe aus dem Buch mehrere Erkenntnisse mitgenommen: 

Die oben beschrieben Methode handelt ja von einem System. In meinem Augen kann ein System auch ein Projekt im Unternehmen sein oder ein Team für ein spezielles Produkt. Wenn man es auf ein Scrum Szenario übertragen würde, wäre dann so ein System die Entwickler + Scrummaster, die Leute die Entscheiden/mitbestimmen (Stakeholder z.B. die Geschäftsleitung, Vertrieb, Kunden,...), das Produktmanagement (Konzeptleute) und das Projektmanagement.

 

Der Engpass im Projektmanagement-Leben:

Die Entwickler können zwar vor sich hin schneller entwickeln. Nehmen wir mal Storypoints als Maßeinheit. Dann könnten sie viele Storypoints pro Sprint abarbeiten. Wenn jedoch Entscheidungen nicht klar von den Stakeholder, können keine genauen Userstories geschrieben werden. Diese sind ja die Arbeitspakete für das Entwicklerteam, also das Futter, dass sie benötigen um richtig und schnell zu arbeiten. Folglich hilft eine große Anzahl an Entwickler nichts, wenn die Entscheidungen vergleichsweise langsam getroffen werden.

 

Das gleiche gilt, wenn es genügend Entwickler gibt, die Vision / die Entscheidungen klar sind, aber es nicht genügend Konzeptler gibt, die Userstories erstellen können. 

Obwohl die Geschwindigkeit einer Entwicklung oft auf die Entwickler geschoben wird, kann der Engpass ganz anders liegen. Nach der Theorie von Goldratt ist folglich der Engpass der entscheidende Faktor der Geschwindigkeit, bzw. des Durchsatzes. 

 

Wenn man den Engpass gefunden hat muss man ihn folglich voll auslasten und hoch priorisieren. Dann gibt es einen höheren Durchsatz. 

 

Zweite Frage an dich: Falls du auch in Projekten/Systemen/Unternehmen/Gruppen/... zu tun hast, Wo ist bei dir der Engpass? Hast du ihn schon gefunden? Oder ist dein Durchsatz so gut, dass es dich aktuell nicht stört? 

Ich bin gespannt auf Kommentare. 

Es gibt wohl einen Nachfolger des Buches, bei dem es über Marketing geht. Das werde ich mir in naher Zukunft auch mal kaufen und berichten.

 

Viele Grüße und eine gute Woche

Alkly

 

 

 

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Kommentare: 3
  • #1

    JR (Mittwoch, 21 Dezember 2016 11:15)

    Die Erkenntnis, dass eine Kette nur so stark ist wie ihr schwächstes Glied ist irgendwie nicht wirklich überraschend. Es gibt vergleichbare Regeln in allen möglichen Bereichen, z.B. Liebigs Fassdaubenregel für das Pflanzenwachstum: https://de.wikipedia.org/wiki/Minimumgesetz

  • #2

    Alkly (Mittwoch, 21 Dezember 2016 21:41)

    Danke für deinen Kommentar, ja manchmal muss man sich für Erkenntnisse nur an anderen Wissenschaften orientieren.

  • #3

    Jan-Michael Schwarz (Donnerstag, 05 Januar 2017 19:47)

    Sehr gute Rezension, vor allem, da du es sehr logisch aufgebaut und mit vielen Informationen versehen hast. Mal überlegen, ob ich mir das Buch zu Weihnachten wünsche ;)